Auf Spurensuche

Zum Internationalen Museumstag öffnete das Dorf- und Schulmuseum sein Magazin

Kaum ein Museum - und das gilt weltweit - zeig alle seine Schätze in der Ausstellung. Im Gegenteil, die ist meist nur die sprichwörtliche Spitze des Eisbergs. Unter der sichtbaren Oberfläche lagert ein Vielfaches dessen, was die Besucher für gewöhnlich zu sehen bekommen.

Das Motto "Spurensuche" des diesjährigen Internationalen Museumstages war ein willkommener Anlass, auch einmal hinter die Kulissen - im Fall Schönwalde auf den Dachboden - zu schauen. Verbunden war das ganze mit einem kleinen Ratespiel: Auf Karten waren Gebrauchsgegenstände oder Teile davon abgebildet, die es aufzuspüren galt. Außerdem war natüelich bei jedem Gegenstand die Frage: Wozu ist bzw. war das gut?

 


Hier läuft alles rund

Gut besuchte Saisoneröffnung mit Filmvorführung über das Handwerk des Stellmachers

Rund 50 Gäste waren am 10. Mai zur abendlichen Filmvorführung gekommen, mit der die diesjährige Saison im Dorf- und Schulmuseum eingeläutet wurde. Im Focus stand das alte Handwerk des Stellmachers oder Wagenbauers, das mit einem etwa 70 bis 80 Jahre alten Lehrfilm anschaulich vorgeführt wurde.

Nach diesem kleinen historisch-cineastischen Leckerbissen entspann sich eine angeregte Diskussion und Fachsimpelei zwischen den Besuchern; viele von ihnen hatten sehr persönliche Beziehungen zu diesem Gewerk, weil ihre Vorfahren - in einigen Fällen sogar die Väter noch - Stellmacher waren.

Erörtert wurde auch, warum dieser Beruf "Stellmacher" heißt: Er leitet sich von dem Wort "Gestell" oder auch "Fahrgestell" ab, weil der Stellmacher ja nicht nur Räder, sonder auch ganze Wagen oder Kutschen baute (in vielen norddeutschen Regionen war auch vom "Roommaker" die Rede - "Room" bedeutet hier soviel wie "Rahmen").

Ein Besucher brachte gar ein eigenes nach alter Tradition selbst gebautes Wagenrad mit, das sehr bestaunt wurde.

 

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Die nächste Generation tritt an

Marc Dobkowitz übernimmt den Vorsitz des Fördervereins

(Impressionen von der Jahreshauptversammlung - ein Bericht folgt)

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Ab jetzt Ehrenvorsitz mit leichter "Hausmeister"-Tätigkeit

 Seit 34 Jahren hatte Hans-Joachim Michaelsen den Vorsitz des Fördervereins des Schul- und Dorfmuseums Schönwalde inne. Bei der diesjährigen Jahreshauptversammlung am vergangenen Mittwoch in der Schönwalder Friedrich-Hiller-Schule gab er den Stab aus der Hand – zu seinem Nachfolger wurde einstimmig Marc Dobkowitz gewählt.

Damit bleibt die Vereinsführung „Familiensache“: der scheidende Vorsitzende ist ein Sohn des Museumsgründers Hermann Michaelsen, der auch der letzte amtierende Rektor der ehemaligen Dorfschule war, in der das heutige Museum beheimatet ist. Der neugewählte Vorsitzende ist sein Enkel – somit tritt mit dem 44jährigen Dobkowitz also die nächste Generation in die Fußstapfen ihrer Vorfahren.

Insgesamt sehr zufrieden zeigte sich Hans-Joachim Michaelsen im Rückblick auf das zurückliegende Jahr und ließ die vielen Veranstaltungen Revue passieren, die guten Anklang fanden: wie beispielsweise das Wäschewaschen mit alten Gerätschaften oder der praktischen Vorführung traditionellen Schmiedehandwerks. Sorge bereitet vor allem der rückgängige Besuch der Museumspädagogik. Durch die Ausdünnung des öffentlichen Nahverkehrs hätten Schulklassen und Jugendgruppen kaum mehr die Möglichkeit, in angemessener Zeit und zu bezahlbaren Tarifen aus dem Umland ins Museum zu kommen.

Michaelsen dankte allen langjährigen Mitstreitern und Helfern – besonders erwähnte er hier Renate Schäfer, die über viele Jahre die Museumspädagogik betreute und organisierte. Weiterhin dankte er Karl-Friedrich Linke, der kürzlich das gesamte Magazin gesichtet, aufgeräumt und sortiert hat. Auch all die ehrenamtlichen Betreuer vergaß er natürlich nicht, ohne die ein Aufrechterhalten des Museumsbetriebes nicht denkbar wäre. Er selbst werde sich nicht völlig aus dem Museum zurückziehen, sondern „dabei sein, wenn man mich braucht“ - als eine Art Gelegenheitshausmeister, wie er scherzhaft ausführte. Eine gelungene Überraschung gab es, als der stellvertretende Vorsitzende Thomas Utz den Antrag stellte, Michaelsen zum Ehrenvorsitzenden zu ernennen, was einstimmig beschlossen wurde. „Du hast über mehr als eine Generation das Museum geprägt, ausgebaut, gestaltet – das ist kaum zu toppen“, so Utz in seiner Laudatio.

Marc Dobkowitz sieht es als eine vordringliche Aufgabe an, das Museum in der digitalen Welt zu verankern. Ebenso wichtig sei es, Nachwuchs im Förderverein und für ehrenamtliche Arbeit im Museum zu gewinnen. Kaum irgendwo gebe es so vielfältige Möglichkeiten, sich praktisch oder organisatorisch zu betätigen. Er animierte die Mitglieder der Versammlung, intensiv für Fördermitgliedschaften im Verein zu werben.

Zum Abschluss der Jahreshauptversammlung gab es noch einen heimatkundlichen Vortrag von Dr. Frank Wilschewski, dem Leiter des Neustädter Museums „zeiTTor“, der in der für ihn typischen kurzweiligen Art über die slawische Besiedlung Ostholsteins im 11. und 12. Jahrhundert referierte.

 


Ein Schmied zeigt sein Können

Traditionshandwerk zum Schauen und Mitmachen

Schmiedemeister Wulf Stein (Bild) und sein Kollege Volker Gast eröffneten die Saison im Mai 2016 mit beherztem Hammerschlag - in der Schmiede im alten "Sprüttenhuus" fanden sie alles, was sie brauchten, um ihr Traditionshandwerk anschaulich vorzuführen.

Auch Besucher durften praktische Erfahrungen mit Hammer und Amboss sammeln.


Mit Bus und Bummelzug durch Holsteins Museumslandschaft

Der Tagesausflug 2016 des Fördervereins führte in das Freilichtmuseum Molfsee und das Eisenbahnmuseum Schönberger Strand

Impressionen aus dem Freilichtmuseum Molfsee und dem Eisenbahnmuseum Schöneberger Strand

Über dreißig wohlgelaunte und unternehmungslustige Mitglieder des Museumsvereins starteten zur Fahrt an Lütjenburg vorbei nach Kiel. Unterwegs gab Hans-Joachim Michaelsen eine Einführung in das Programm des Tages und verschaffte einen Überblick über die beeindruckende Anlage des Freilichtmuseums Molfsee. Dort angekommen wurden wir schon erwartet und durften einer sachkundigen und interessanten Führung folgen.
Die verschiedenen Schleswig-Holsteinischen landwirtschaftlichen Haustypen, Mühlen, Hofanlagen, deren Mobiliar und die Geräte und Werkzeuge der ländlichen handwerklichen Berufe und Gewerke verschafften einen Einblick in dörfliches Leben des 18. und 19. Jahrhundert. Beeindruckend war die Größe der Anlage von über 40 Hektar mit über 60 Gebäuden, sowie das Volumen der dort getätigten und in Zukunft geplanten Investitionen, die unser Dorfmuseum daneben wie die arme Verwandtschaft aussehen ließ. Aber irgendwo muss es schließlich einen Unterschied zwischen einem Dorf- und einem Landesmuseum geben.
Eine erste kleine Rast konnte nach dem langen Aufstieg zur alten Meierei unter großen Kastanien gemacht werden, bevor es mit der Bimmelbahn des Museums durch die Anlage zurück zum Restaurant Drathenhof ging. Dort erwarteten uns bereits schön eingedeckte Tische und Spezialitäten aus der Küche.

Frisch gestärkt – und einer von uns auch vom jugendlichen Kellner biergeduscht – fuhr uns der Bus nach Schönberg zum Probsteimuseum. Dort landeten wir mitten im trubeligen Herbstmarkt, der mit vielen selbstgemachten Angeboten und regionalen Spezialitäten aufwartete. Rund um das Museum lockten die Stände mit kunsthandwerklichen Produkten, Blumengebinden, Pflanzen Kaffee, Kuchen, Waffeln. Angeregt plaudernde Schönwalder genossen, kauften, flanierten.
Das Museum selbst verfügt über eine reichhaltige Sammlung aus dem dörflichen Leben, in Teilen der unseren vergleichbar, aber in deutlich geringerer räumlichen Enge präsentiert. Wenn wir so eine Scheune hätten …
Abgerundet wurde der Besuch durch die Sonderausstellung mit Grafiken des Karikaturisten Marunde, die allgemein zur Erheiterung beitrugen - aber auch zum Nachdenken anregten.
Eine kurze Busfahrt führte uns an den Strand, wo uns eine weitere Stärkung in Form von Kaffee und Kuchen erwartete und Gelegenheit war zum Klönen. Zurück nach Schönberg ging es dann nicht mit dem Bus, sondern mit der Museumsbahn in originalen Wagen der Holzklasse früherer regionaler Bahngesellschaften. Der Zugführer nahm seine Aufgabe sehr ernst, kontrollierte und entwertete die Fahrkarten (aus richtigem Karton) und ließ uns alle zum Erinnerungsphoto antreten.
Voller Erlebnisse und mit den Erinnerungen an einen schönen erlebnisreichen Tag traten wir die Heimfahrt im Bus an, der uns wieder pünktlich in Schönwalde ablieferte. Auch der Wettergott hatte in diesem Jahr wieder ein Einsehen mit den Ausflüglern. Die wenigen nassen Tropfen fielen immer dann, wenn wir trocken im Bus saßen. Hans-Joachim Michaelsen sei an dieser Stelle für Planung und Organisation des Tages gedankt.

 

Thomas Utz


Nasser Spaß im Museum und auf dem Bungsberg

Lebhafter Besuch beim Waschtag im Museum und gelungenes Sommerfest auf Holsteins höchstem "Berg"

Mit vollem Einsatz waren die Kids dabei, wenn es ums Wasser tragen und Wäsche waschen wie in uralten Zeiten ging. Beim letztjährigen Sommerfest auf dem Bungsberg konnten Jung und Alt ausprobieren, welche Mühen unsere Vorfahren auf sich nehmen mussten, um ganz alltägliche Anforderungen zu bewältigen.

Auch in diesem Jahr wird das Dorf- und Schulmuseum wieder mit einem Stand auf dem Bungsberg-Sommerfest vertreten sein (siehe Termine).

Auch beim Waschtag am Museum durften Jung und Alt nach Herzenslust die Wäsche in den Waschzubern durchwalken - schon erstaunlich, wieviel Spaß solche Arbeit machen kann, wenn man sie nicht machen muss...